Orsbecker Geschichte

Aktive Jugendarbeit

Junges Projektteam um Christoph Steffens hat eine Infotafel zur Kirche vor dem Turmmuseum angebracht.

Daniela Giess

Bei Pfarrer Thomas Wieners fand diese Idee sofort großen Anklang: Infotafeln auf einem historischen Rundweg nach Wassenberger Vorbild sollen künftig die Erinnerung an die Orsbecker Ortsgeschichte wachhalten. Die erste Tafel wurde jetzt an der St. Martinus-Kirche befestigt. Christoph Steffens, lnitiator und Gründer des Jugendprojekts, dessen Teilnehmer auch das kleine Turmmuseum betreiben und es sich zur Aufgabe machen, die Heimatgeschichte unermüdlich zu erforschen, erinnerte an den schrittweisen Aufbau des Orsbecker Turmmuseums, der vor vier Jahren begann. „Der Start war nicht ganz einfach. Und doch haben wir es geschafft, unser Projekt zu etablieren.“ Geschichte als aktive Jugendarbeit sei aber auch alles andere als alltäglich.

Steffens, dessen Sohn Gerrit (18) der älteste Teilnehmer ist, zeigt sich stolz auf das Erreichte. Insgesamt 18 Mädchen und Jungen ab sechs Jahren machen mit. Alternativen gibt es im Ort nur wenig, seit 1992 das Aus für die Jugend-Disco kam. Bei der Feuerwehr oder im Fußballverein findet ebenfalls Jugendarbeit statt. Auf der Infotafel, die vor dem Eingang des Turmmuseums angebracht wurde, wird auf das Orsbecker Gotteshaus, erbaut im siebten bis elften Jahrhundert, als eine der ältesten christlichen Kultstätten im Heinsberger und Wassenberger Land verwiesen. Der dreigeschossige Turm wurde um das Jahr 1000 am Westgiebel angebaut — hier zeigen die Projektteilnehmer unter anderem ihre Funde aus der Römerzeit, alte Schwarz-Weiß-Fotos von anno dazumal und eine Bürgermeister-Chronik.

Zwei große Ausstellungen hat das junge Projektteam um Christoph Steffens schon auf die Beine gestellt. „Spiel und Spaß stehen bei uns an erster Stelle, gleich gefolgt von der Aufgabe, Geschichte zu erhalten.“ Der neuen Tafel sollen viele weitere folgen. Doch zunächst suchen die jungen Heimatforscher nach weiteren Sponsoren, die bereit sind, die Infotafeln zu finanzieren. „Wir möchten die Geschichte ins Dorf tragen. Es gibt viel zu erzählen", hat Steffens festgestellt. Die Grundmauern der alten Martinus-Kirche hätten oft gezittert. Und doch sei sie „wie ein Fels in der Brandung“ gewesen. Die Tafel erzählt von einer Zeit, als die Orsbecker Kirche noch als Wehrkirche genutzt wurde, um der Bevölkerung im einzigen soliden Gebäude Schutz zu bieten. Der Turm weist heute noch alte Schießschächte auf, die damals die Funktion hatten, Feinde am gewaltsamen Eindringen in die Kirche zu hindern. Im Zweiten Weltkrieg wurde von hier aus die Artillerie beobachtet.

Ein chronologischer Überblick auf dem neuen Hinweisschild verweist unter anderem auf die Zeit der Plünderungen und der Pest (1568 bis 1592), den Bau der Kirchhofsmauer anno 1687, den Pfarrhaus-Brand von 1758 sowie den Beginn der Orsbecker Wallfahrt (1817).

Das Turmmuseum öffnet an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr seine Pforten. Der Eintritt ist frei. Das Projektteam trifft sich immer am Samstag davor ab 15 Uhr im Pfarrheim neben der Kirche.